Travel Photography_ Peter Schickert

Incredible India

Von Dubai nach Delhi:

 

Viel grösser kann der Kontrast wohl kaum sein. Gestern noch gelangweilte Araber denen das Geld aus den Ohren quillt und deren noch gelangweiltere Frauen aus Halbplastik noch bei 40Grad im Schatten in der klimatisierten MegaMall Pelzmäntel!!! shoppen während ein Heer kleiner schlecht bezahlter Asiatensklaven die Arbeit erledigt………in Delhi herscht jetzt das absolute Chaos aus Dreck, Lärm, Gestank und purem Überlebenskampf. Nicht immer glücklich wie beim Mopedfahrer auf der anderen Strassenseite der einem der zahlreichen Kamikazebusse zu nahe kam. Wenigsten liegt schon ein Tuch drüber. Die Verkehrsinsel mitten im Chaos ist gleichzeitig Müllkippe, Kuhstall und Wohnraum für mehrere Grossfamilien……..Welcome to Incredible India..

Ab nach Pushkar:

 

Ich weiß schon warum ich es normalerweise vermeide mitten in der Nacht mit der Bahn anzukommen. Vor allem in Indien. Gestern ließ es sich nicht vermeiden. Der Zug hat auch nur eine halbe Stunde Verspätung, zugunsten meiner Nerven verzichte ich auf übermässiges gefeilsche und geschacher mit der örtlichen Taxifahrermeute und zahle immerhin die hälfte des geforderten Preis zu meinem Zimmer in den Pushkar Villas.
Eine Stunde, 3 fastfrontalcrashs, ca. 5 km als Geisterfahrer und ne menge verstörter Kühe, Hunde, Schweine später kenn ich die gesamte enge Altstadt Pushkars, war bei der Pushkar Vela, Pushkar Village, Velya Villas, im Heritage Hotel? und 5 weiteren hotelähnlichen Gebilden – jetzt stehe ich nachts um halb 1 vor einer ehemaligen vermutlichen Restaurantruine und mein Fahrer grinst endlich fröhlich: Pushkar Villas, Sir! Happy?

So mittel.

Nach mehrmaligem Hupen und Türfasteintreten öffnet dann sogar jemand. Und hat überhaupt keine Idee was ich hier! wohl möchte? Nein, nicht happy! Die Idee ein Zimmer haben zu wollen scheint dem verschlafenen jungen Mann total absurd, aber immerhin telefoniert er nach reichlich gutem Zureden mit seinem Boss. Nach endlosen Diskussionen und mehrfachem Rückruf entscheiden sich die beiden spontan dass es sich wohl doch um ein Hotel handeln muss und daraufhin zeigt mir tatsächlich konsequenterweise ein Zimmer. Natürlich bin ich der einzige Gast.

Statt einer Dusche ist mein Bad mit einer Ameisenstraße ausgestattet, aber ich hab dank ständigen Quengelns immerhin nen Balkon mit Blick auf die Stadt. Dass ich meine eigene Bettwäsche dabei habe war übrigens eine sehr gute Idee. Warten auf Frühstück. Die Mücken haben Ihres schon. Jetzt habe ich beim dritten freundlichen Inder zum 4 mal bestellt. Naan. Ja wirklich, ich möchte Naan. Incredible India.

Aber der Garten ist nett, der Pool scheint zu funktionieren, Pushkar macht nen angenehmen ersten Eindruck und ich darf gleich meine Ameisenstrasse gegen ne Dusche tauschen. Und das Naan war lecker. Sogar mit käseartiger Füllung………🙂
Frische Bettwäsche wird mir auch gleich gebracht!

 

Namaste. So, jetzt bin ich nicht mal mehr alleine hier. Eine ganze Horde rotgesichtiger Affen und zwei hübsche Papageien teilten sich mit mir den doch ganz ordentlichen und bei der Hitze hilfreichen Pool…..und jetzt kommt auch noch ne ganze Reisegruppe indischer Touristen an. Aber ich bin zumindest hier das einzige Bleichgesicht. In der Stadt sind dafür auffällig viele übergebliebene weiße Hippies aus den 60er Jahren unterwegs – ziemlich ergraut und mit albernen Klamotten. Das entlockt sogar der grossen Bande Sadhus, Nagas und anderer ziemlich verfilzter schräger langhaariger indischer Vögel ein mitleidiges Lächeln. Auch die Treffen sich nämlich hier zur Pushkar Mela. Aber nicht wegen der Kamele. Wer bei Vollmond hier im See badet entledigt sich angeblich automatisch sämtlicher Sünden. Ich werds dann wohl auch mal versuchen……. vielleicht besser mehrfach……?

Ansonsten habe ich heute schon so ziemlich sämtlichen indischen Gottheiten gehuldigt, reichlich rote Punkte auf der Stirn, Brahma und Shiva Blumen und Zucker geopfert und dem ein oder anderen Kamel beim Rülpsem zugesehen. Mit den lustigen Strassenkindern werkriegtdierupie gespielt. Und grad sogar ein Kingfisher bekommen. Über den Kaufpreis wurde stillschweigen vereinbart. Der See ist schließlich heilig. Prost.

Ajmer:

 

Jetzt werden hier auch schon die Arbeitsplätze wegrationalisiert……lautes Trommeln und geklingel hat mich nach dem Abendessen noch in den Hanuman-Tempel gelockt, aber dann: Keine Sau da. Aber ne motorbetriebene Trommelmaschine……?!?!!!!??! Weia. Und klingeln tut die auch. In indischer Lautstärke. Das ist mindestens Eins lauter als 11. Was es nicht alles gibt. Dreiradbusse mit mindestens 15 Sitzen waren mir auch neu. Und das ich kapituliere ist zumindest selten. Ich werd kein guter Muslim mehr. Weiter als bis zum Eingang des muslimischen Heiligtums hab ich es heute nämlich nicht geschafft. Soviel Chaos, Gedränge, Wahnsinn und überhaupt – ich seh mir lieber im Museum hinduistische Kunst des Mittelalters an. Und den tollen Spiegelsaal im Jain-Tempel. Irgendwie immer interessant bei den Jains.

Welcher Vollidiot auch immer noch behauptet es gebe viel zu wenige neue Mitbürger……..fahr mal nach Indien!
Und morgen gehts offiziell erst richtig los mit dem Kamelfestival……..

Die Pushkar Mela

 

Das Vormittags Programm war ja schon sehr nett, am Abend wurde es dann aber richtig stimmungsvoll – das ist hier ja schließlich auch ein religiöses Fest. Rund um den See auf fast allen Ghats leuchten zur Dämmerung viele tausende Kerzen, Feuerschalen und Fackeln, dazu dass übliche getrommel, Glocken, gebimmel, Mantras,, Feuerwerk und inbrünstiger Gesang. Und ich steh auf einmal direkt neben dem Priester mitten drin in der eindrucksvollen Zeremonie……. es herrscht eine wunderbare friedliche Stimmung ………und seh mir das faszinierende Treiben ganz aus der Nähe an. Macht grad sehr viel Spaß hier am heiligen See…………viel atmosphärischer gehts eigentlich kaum.
Und dann gehts morgen auch schon wieder weiter. Mein Zimmer ist auch ziemlich verwohnt und Kamele hab ich auch in ausreichender Zahl gesehen.. Jaisalmer klappt nicht sagt der freundliche Mann am Fahrkartenschalter. Ausgebucht. Dann fahr ich eben nach Jodhpur. In so einen KliKlaKlawitterbus mit zugedröhntem Kamikazefahrer setz ich mich jedenfalls nicht. Pahh. Bis zum Bahnhof in Ajmer muss ich ja schon mit „sowas“ mitfahren.
Ich würde ja zu gerne mal das Gesicht eines deutschen TÜV-Prüfers sehen wenn man mit solch einem „Fahrzeug“ zur HU vorfährt………😊…..Na Bob, wie wär’s?

Und dann schaun mer mal……….Ich glaub der Abschnitt „Strand und Palmen“ wird etwas länger als ursprünglich geplant. Ganz schön staubig in Rajasthan…….und der Zug nach Jodphur kommt leider wieder erst spät abends im Dunkeln an.

 

Mit der Bimmelbahn nach Jodhpur

 

Und mit diesem Zug ruckel ich jetzt durch die Gegend und hab also Zeit. 6 Stunden bis Jodhpur. Und bin froh dass ich den Zug überhaupt erwischt hab – ich war nämlich ne halbe Stunde zu spät am Bahnhof. Ich sag nur KliklaKlawitterbus……der war so voll dass er den Berg kaum hochkam……und jetzt sitz ich Geizhals in der zweiten Klasse Sleeper ohne AC. Kost umgerechnet 1,50. Indischer Familienanschluss inclusive. Und natürlich bin ich mal wieder der einzige Europäer….
Erstaunlich wie schnell hier alles dreckig wird. Zwangsläufig. Muss ein besonderes indisches Naturgesetz sein. Ich glaub meine Füße werden nie mehr sauber.
Und das Duschen dauert abends mindestens doppelt so lang.
Dafür ist der Boden im Zug jetzt wieder porentief rein. Ein Strassenkind putzt auf den Knien mit seinem zerlumpten Hemd den ganzen Zug und hofft dann auf grosszügige Spende. Die Kinder im Zug nach Düsseldorf sahen irgendwie anders aus. Aber nicht besser gelaunt…….

Wenn ich auch jedesmal 10 Rupien für ein Foto bekäme……am letzten Abend in Pushkar habe ich den Spiess mal umgedreht und die fotowütige Bande zurückfotografiert.
Fanden die gut.
Wenigstens fragen die Inder – meistens. Im Gegensatz zu den unzähligen westlichen Fotografen. Die halten ungefragt jeder Oma und jedem Kameltreiber die Linse dreist direkt vor die Nase, oder stehen mit Riesentele versteckt in der Ecke und schiessen heimlich gnadenlos alles und jeden ab. Kein Wunder dass selbst die bilderfreundlichen Inder zunehmend genervt sind. Und wenn das runtergekommene Zigeunerkind welches alle ausgiebigst und lange fotografiert haben ein paar Rupien für seine Akrobatikshow möchte sind alle GAANZ schnell wieder verschwunden…….ohne die hier üblichen 10Rupien – kaum mehr als 10 Cent!! – abzudrücken. Wiederliches Volk. Dabei habe ich noch nie solch eine grosse Anzahl megateurer Kameras gesehen – höchstens vielleicht bei der Photokina. Teilweise hängen 2 und oft sogar 3!! Vollformatbodies mit den entsprechenden grossen weissen Linsen um den wohlgenährten Leib. Mittelformat, reichlich fette TV-Kameras. Rudelweise. Sony Photo Tours, Nikon School, nen ganzen Trupp mit Tamronwesten hab ich auch schon gesichtet. Erstaunlich auch wie viele Inder mit entsprechender Ausrüstung vertreten sind. Und es kommt doch tatsächlich auch schon zu den ersten ernsthaften Rangeleien um die besten Plätze. Zeit zu gehen……..mein Zimmer in Jodhpur hab ich tatsächlich schnell und stressfrei erreicht. Incredible India.

 

Aber erst mal der Rest von gestern…..:

Direkt bei mir um die Ecke wohnen die Muslims……’We don’t like them, Mista. Always fighting‘
Hmmmmm…??? Nur die Meinung des Kellners aus Kathmandu?
Ich geh natürlich trotzdem mal sehen was da grad für ein Radau ist, incl. Feuerwerk, Firecracker und alles blinkt.
Blinkt. Nicht wie bei uns. Es blinkt RICHTIG. Blink, Blink. So blinkts nur in Asien. SuperGrell, bunt, overkill, alles in Bewegung. Too Much.
In der Mitte ein ca. 10 Meter hoher Turm der noch mehr als alles andere blinkt. Eine Orgie aus megakitschigen Lichterkettem.
Und mitten drin hoch über den Köpfen ein etwas debil grinsender alter Mann mit SEHR langem weissem Bart.
Der Muezzin?
Und alle – incl. dem grinsenden Muezzin – gucken MICH an als wäre ich ein außerirdischer………….
Ich mag Incredible India……..

 

Am nächsten morgen noch mal kurz der übliche Slalom durch heilige Kuhflitzkacke, Hundekotze und auch noch einige eklige Haufen – aber ein paar interessante Bilder springen immer bei raus – und dann seh ich auch schon wieder den Ratten bei den Aufräumarbeiten am Bahnhof zu. Next Stop Jaipur. Heute mal ohne Diskussionen mit den Dreiradtaxis, der Zug kommt fast pünktlich und mittlerweile treffe ich hier sogar schon Bekannte. Mit dem netten Armeeoffizier aus Bharakpur hab ich mich gestern schon am Fort unterhalten und der Pakistani war mit mir im Hotel in Pushkar. Und ich komme mal nicht im Dunkeln an…..-

Ein alter Mann möchte wissen: Where do you come from? Germany, oooooh. Hitler!
Sind die Inder etwa genausogut über das politische Zeitgeschehen informiert wie unsere amerikanischen Freunde oder hab ich was verpasst?
Hmm, und das war beileibe nicht der erste……. Hitler.

Mit „weissen“ hab ich aber jedenfalls schon seit Düsseldorf nicht mehr geredet. Seltsam, ich bin doch auf einer der Haupttourirouten unterwegs, und ausser den Busladungen voller Studiosuspensonäre sehe ich fast überhaupt keine Touristen?

Vielleicht sind ja in Jaipur ja ein paar mehr unterwegs, ich hab mir ausnahmsweise sogar mal ein megateures Luxuszimmer mit Pool gebucht – für exorbitante 27 Euro die Nacht. Da müssten doch auch mal Touristen zu finden sein? Sogar Abholung vom Bahnhof inclusive……….könnten 2-3 willkommene entspannte Tage werden in Jaipur. Wenn der Zug endlich mal weiterfährt………….

Er fährt, wieder gut 5 Stunden, und meine Mitreisenden machen gerade aus meinem Sitzplatz einen Sleeper – dann geh ich eben wieder zu meinem Lieblinsplatz. Hier kann man bei geöffneter Tür nämlich noch fast draußen mitfahren. Panoramablick und Fahrtwind inclusive. Auf Bäume und Äste achten ist eine sehr gute Idee. Festhalten auch. Aber so macht reisen dann doch wieder Spaß……

Muharram in Jaipur

 

Und auch sonst tobt hier der Mob. Eine riesige Menschenmenge tanzt, trommelt und kämpft sich mit Stöcken regelrecht in Ekstase……ein bisschen unheimlich ist mit ja schon bei der extremen Intensität des ganzen. Bei muslimischen Menschenmassen leider immer auch noch etwas mehr. Aber alles bleibt ausgelassen und friedlich, und ich geh dann natürlich gleich mitten rein. Bis die trommelnde Horde mich und die Kamera entdeckt. Alles schmeißt sich in Pose, alle wollen mit aufs Bild, leider eskaliert das ganze recht schnell. Erst trommel ich noch mit, das kann ich schließlich, aber dann kommt es zu tumultartigen Szenen. Die Parade kommt zum stehen, immer mehr Leute zerren wild an mir herum, zum ersten Mal auf dieser Reise kommt so etwas wie ein ungutes Gefühl in mir auf. Ein paar der zahlreichen Polizisten könne das ganze zum Glück aber recht schnell beruhigen und der Umzug läuft dann ohrenbetäubend und intensiv weiter so wie geplant. Poooooh. Aber alles im grünen Bereich. Nur ein wenig Abstand halt ich den Rest des Abends dann doch lieber ein……spannend bleibt das ganze auch so………

Mittlerweise weiß ich endlich auch was hier los ist: Muharram – Feiertag für die Muslime nicht nur dieser Stadt.

jaipur

Dies fette Rindviech weiss aber auch ganz genau wohin. Links abbiegen, die Ladenzeile entlang, über die Veranda des Restaurants und gleich nochmal links:. Dann Zack : einfach mitten in den Tempel rein. Rappzapp werden die gesamten schön bunten Opfergaben weggefressen – aber für wen sollten die auch sonst gedacht sein. Die betende Gläubigen kennen das wohl schon. Nur ich kann mir ein Grinsen mal wieder nicht verkneifen. Incredible India.

Auch sonst gibts hier wieder ne Menge zu sehen, und auch alles recht entspannt, nur meine Weiterreise gestaltet sich mal wieder schwierig. Mein Zug ist ausgebucht, als ich mich für den lahmen Nachtzug entschieden hab ist auch“mein“ Zimmer voll, Freitags hat das Taj Mahal zu und nen Flug nach Varanasi? Gibbetnicht. 14 Stunden in der Bahn…..? Schaun mer mal………und immer wenn mans besonders braucht fällt hier das Internet aus………

 

Agra

 

Mann kann sich aber auch anstellen. Jetzt beschwert der sich schon wieder.
Und nur weil mitten in der Nacht auf einmal ein dicker älterer Inder mit alberner Mütze in meinem zu engem Bett sitzt.
Need only a little space, mista. No problem.
Doch.
Für mich schon.
Der Nachtzug hat eh schon 2 Stunden Verspätung und
ich hab noch kaum geschlafen.
Und ich hab SEHR ungern fremde Männer in meinem Bett.
Wenigstens fragen könnt er.
Ok, ging nicht, Ich hab ja geschlafen.
Natürlich bin ich jetzt schlagartig wach.
Dabei hat der Kerl direkt über mir ein eigenes Bett……..aber er mag nun mal lieber sitzen.
Lautstark mit seinem Kumpel diskutieren geht schließlich so viel besser.
Das das gequake die schlafenden Stören könnte kommt ihm überhaupt nicht in den Sinn.
Incredible India. Aber jetzt wird eh gleich hell………
Immer noch 5 Stunden bis Varanasi, vor der heiligen Stadt hab ich irgendwie sehr viel
Respekt……..aber mal wieder ein hoffentlich ordentliches Zimmer mit Pool und für Donnerstag dann nen Flug nach Goa.
Erstmal genug gesehen, gerochen, gehört, gewundert und gestaunt.
Ich freu mich aufs Grün und aufs Meer. Und gleich auf ne Dusche.

Weils beim Taj Mahal – so mittel – war gibts ein Bild vom Vorläufermodell Baba Taj……

Varanasi

 

Eeeeendlich in Varanasi angekommen – es reicht noch für nen Sprung in den Pool,
hartnäckiges feilschen mit den hartgesottenen Rikscha-fahrern und eine erste Bootsfahrt rund um
die Ghats.
Und die Stadt?
Immer wenn ich denke schlimmer…….aber das hatten wir ja schon, oder?

Am Ganges wird gerade eine ganz arme Sau zu Wasser gelassen.
Nach Mafiamanier.
Holz ist teuer, und wer es sich nicht leisten kann wird halt einfach in den Fluss gekippt.
Mit großzügigen Betonschuhen
Nebenan lodern kräftig die Scheiterhaufen – für die ehemals besserverdienenden.
Ein Bein schaut noch raus.
Poooooooohh….
Und die Unberührbaren sind immer noch fleissig.
Nach Varanasi kommt man zum sterben.
Schon eine ganz eigene Atmosphäre hier……..
Ist mir aber trotzdem irgendwie lieber als das Friedhofsbohei bei uns……

Das Abendprogramm später ist dann auch recht interessant,
scheint mir aber irgendwie nicht ganz echt zu sein?
Muss ich erst mal recherchieren, aber zumindest den Hindus gefällts. Morgen mehr aus einem unglaublichen Ort…..

Immer wenn ich denke schlimmer…..ja, ja, hatten wir schon.
Aber es geht halt immer noch schlimmer.
Varanasi topt alles.
Wer hier nicht zum Nachdenken kommt dem ist auch nicht mehr zu helfen.
So viel Leben und Tod auf engstem Raum und so nah beieinander.
Ich hab ja schon einiges erlebt, aber was einem hier an Eindrücken jeglicher Art nur so um die Ohren gehauen wird.
Auweia.
Wie kann man das nur dauerhaft aushalten.
Ich kann man nach 2-3 Stunden immer wieder in die Plastikwelt meines Tourihotels zurückziehen und am Pool entspannen –
von 11-3 hat der Fotograf frei 🙂

Aber alle anderen?

Der Verkehr.
Lässt sich eigentlich nur mit einem Wort beschreiben.
Totaleschaosanarchiepurabsoluterwahnsinn.
Ich musste in meiner Rikscha in der Stunde die ich für die 4 km zum Fluss brauchte heute mehrfach
einfach nur laut lachen. Absurd. Hier spielen sich Szenen ab.
Der Radfahrer der zwischen Büffel und Bus eingeklemmt ist findet das recht normal.
Auch die Ziege auf dem Sitz der Fahrradrikscha sieht ganz entspannt aus.
Auf dem Heimweg hat sich die ganze Stadt komplett total verkeitl. Nix geht mehr vor oder zurück.
Nicht mal zu Fuss. Man muss über die Fahrzeuge klettern.
Alleine in diese Stunde hatte ich mehr als 5 Zusammenstöße mit allem möglichen was sich hier so bewegt.
Zum Glück nur im Schrittempo.
Da liegt wieder ne Fahrradrikscha- Falsch rim.
Was drunter ist möchte ich lieber nicht wissen.
Aber auch zu Fuss ohne Verkehr ist man hier nicht sicher.
Beim Versuch mich am Krematorium- Ghat möglichst schnell an den Leichen und dem nur schwer erträglichem Verbrennungsgeruch
vorbeizumogeln steht mir doch schon wieder ein fettes Rindviech im Weg.
Und nimmt mich doch glatt auf die Hörner.
Ich lande auf dem Scheiterhaufen – zum Glück brennt der noch nicht.
Nur ein paar Schrammen – aber es scheint als drehen hier grade selbst die Kühe durch…..
…….

Varanasi kann man nicht beschreiben………

…..aber toll hier, oder!

Hier noch ein anderer Versuch:
http://sophia-india.blogspot.in/…/die-stadt-am-heiligen-flu…

Morgen früh mach ich noch ne Bootstour am Fluss, dann eine Nacht in Delhi und
Abflug nach Goa……….

Endlich am Strand……

 

Wer hätte das gedacht. Es gibt hier in Delhi tatsächlich neuerdings ne moderne, funktionierende! Metro……sogar bis zum Flughafen.
Fast.
Man hat sich nur gaaanz knapp um 4 km vertan, aber es gibt für 30 Rupees nen Shuttle Bus.
Der wartet sogar schon.
Und das nervige gefeilsche mit den Taxifahrern die sich im sekundentag immer neue absurd exorbitante Preise ausdenken sobald sie einen doofen weissen sehen war völlig überflüssig. Und auch erfolglos. Ne Stunde später bin ich mit der Bahn stressfrei am Domestic Airport.
Mittlerweile doch etwas lädiert von 3 Wochen Rundreise durch Indien, hab noch blaue Hornabdrücke am Arsch und kann ein paar entspannte Tage am Strand ganz gut haben.
Mal sehen wie mir Palolem gefällt und ob ich ein nettes Zimmer finde.
Ne eigene Terrasse am Strand wär gut………
Und dann wären da ja auch noch Hampi und Old Goa, Karnataka soll auch sehr nett sein……

So, mit der Terrasse am Strand hat schon mal geklappt.
Hier der Blick von meinem Zimmer.

 

SCHLUSS MIT DEM LOTTERLEBEN.
Genug rungegammelt.
Hochkultur wartet.
Für Dienstag hab ich ein Zugticket nach Karnataka zu den Ruinen von Vijayanagar ergattert – mal wieder gut 7 Stunden mit der Bimmelbahn.
UNESCO Welterbe.
Aber ich komme nicht im dunkeln an und kann mir noch im hellen ein Zimmer suchen.
Nur ein Rückfahrticket war leider nicht mehr zu bekommen……na schaun mer mal……
War lange genug hier in Palolem, mein frisch eingetauschtes Buch ist auch schon durch und in Karnataka
soll es dann ja schließlich neben den Ruinen auch noch viele Tempel und nette Strände geben….

Ab nach Hampi

 

Einen kurzen Moment nicht aufgepasst.
Und schon ist es passiert.
Die ganze Stadt wird von einer furcht- und skrupellosen Räuberbande beherrscht.
Zahlenmäßig weit überlegen.
Und die fackelt nicht lange.
Jetzt weiss ich warum alle Fenster vergittert und überall Wachen bereit stehen,
doch alles Vergeblich.
Was nicht niet- und nagelfest ist wird blitzschnell und gnadenlos abgeräumt.
Einmal für 3 Sekunden aufs Zimmer mein Buch weglegen und mein Frühstück
samt Plastikflasche ist komplett verschwunden.
Und eine ganze Affenfamilie schlendert gemütlich und unschuldig lächelnd an mir vorbei durch den Flur
und wieder nach draussen………

Die Zimmertür auflassen ist hier gar keine gute Idee……

 

Das ist tatsächlich hier ein wenig wie bei Indiana Jones.
Ein lange zerstörte Hauptstadt voller Tempel und faszinierender Ruinen – und ich lauf am frühen morgen
mutterseelenallein zwischen den riesigen Felsen, indischen Göttern und dem wirklich malerischen Fluss entlang.
Ich weiss gar nicht wohin zuerst?
Irgendwie ne Mischung aus Bagan und Angkor in einer Landschaft irgendwo zwischen Devils Marbles und den Seychellen.
Klasse.
Nur ein paar Einheimische baden am Fluss – und natürlich wollen alle gleich fotografiert werden…….
Ich bin auch mal wieder dran.
Die vielen mittelalterlichen Gottheiten haben es mir auch angetan……….

 

 

Ein ganz normaler Morgen in Indien…..

Guten Morgen Hampi.
Hier gibts was zu sehen.
Meine Getränkeverkäuferin räumt grad ihr Bett wieder ein.
Sie schläft auf der Hauptstraße.
Vor ihrem Laden.
Mit Bettgestell, Moskitonetz und Matratze.
Ein Moped steht zum Schutz davor.
Die Affenbande plündert die Restaurants während die Hunde mit Kämpfen beschäftigt sind.
Gut dass Kühe nicht klettern können.
Die ersten TukTuks knattern durch die engen Gassen.
Der Hahn ist jetzt auch schon wach.
Wenn ich nicht wüsste wie übel die beißen können fände ich es ja gut
dass die Affen mich auch als potentielles Opfer betrachten.
Mein Balkon wird bei den Plünderungen nicht ausgelassen.
Doch nicht etwa nur weil ich hier auch grad noch sitze……..
Der ziemlich aggressive Anführer hat grad unter den Tisch gekackt und verschwindet dann
mit dem Putzeimer. Obwohl der ganz offensichtlich nicht schmeckt.
Man weiss ja nie.
Ich weiss jetzt warum der dicke Knüppel hier steht.
Ich hatte ihn schon mehrfach in der Hand…….

Eine halbe Stunde nach der vereinbarten Zeit steht dann endlich auch mein Chauffeur vor der Tür.
Und hält gleich wieder an.
Breakfast, Sir.
Grrrrrrr…………
Indien……….
Noch mal 5 Minuten später.
Tanken.
Aber dann……..

Der kleine Ort Hospet sieht aus wie nach einem Erdbeben.
Man weiß hier ja nie so genau – Neubau, Altbau, Ruine oder doch etwa in Renovierung?
Aber das sieht anders aus als – ob die Straße verbreitert werden sollte………..?
Und von jedem Haus fehlen auf einmal vorne 2-3 Meter, ein Schlamm und Ziegelsteinberg liegt vor
der ehemaligen Haustür und alle finden das anscheinend völlig normal.
Das Resthaus wird natürlich weiterhin bewohnt.
Zähneputzen auf Trümmerhaufen….
Frühstück im Schlamm.
Was für ein Anblick…….

Kurze Zeit später hab ich wieder was gelernt.
Es gibt hier doch tatsächlich ne Autobahn.
Unglaublich.
3-spurig.
Für jede Fahrtrichtung – mit richtiger Abtrennung durch Mittelstreifen.
Unglaublich.
Wenn mir nicht grade mit 100 Sachen auf der Überholspur ein Radfahrer gemütlich entgegenkäme –
ich hätte geglaubt dies ist nicht Indien.
Auch noch Mautpflichtig das ganze.
Aber warum ein 6-spuriger Highway dicke Bumper zur Verkehrsberuhigung braucht….????
Jetzt stehen! ein Zeitungsverkäufer und eine Betteltunte? auf der Überholspur.
Dafür sind also die Bumper gedacht?
Beim nächsten Huckel steht ein kleiner Junge und verkauft Samurai-Schwerter.
Und wieder ein als Frau verkleideter Kerl.
Den tieferen Sinn dieser Mischpoke muss ich noch ergründen……
Manche Dinge sind auch nach einem Monat in Indien nur sehr schwer zu glauben.
Wie so oft kann ich mir ein Grinsen nicht verkneifen – so viel absurdes.
Das glaubt mir doch zu Hause kein Mensch…….

Jetzt wird das ganze auf einmal Einspurig.
Die anderen beiden Fahrbahnen werden von dem großangelegten Ziegenmarkt gebraucht.
Mit allem drum und dran – und wer schon mal nen indischen Tiermarkt gesehen hat weiss was ich meine.
Einfach unglaublich.
Dumm das sich die Ziegen hier nur sehr unzureichend an die unverbindlichen Verkehrsempfehlungen
halten. Alle anderen machen es aber auch nicht besser – also ist wieder Schritttempo angesagt.
Aber immer noch Mautpflichtig.
Incredible India……..

Ich versuche grade mir die WDR-Verkehrshinweise für diesen Streckenabschnitt vorzustellen.
Achtung auf der A40. In Höhe Bochum Zentrum kommen Ihnen in beiden Fahrtrichtungen
5864 Ziegen, Unmengen von Dreirädern und mehrere Betteltunten entgegen.
Bitte fahren Sie äußerst vorsichtig und überholen Sie nicht.
Wir melden uns sofort wenn die Gefahr vorüber ist.
Achtung auf der A1, A2, A3, A4……………..

Jetzt kommt mir ein großer Lastwagen entgegen – natürlich auf der falschen Seite.
Sogar Ampeln gibt es hier, manche tatsächlich funktionsfähig,
was den Fahrer aber nicht darin hindert das Rotlicht komplett zu ignorieren.
Kommt ja grad keiner.
Jetzt ist auch schon die nächste Mautstelle in Sicht.
Ich wittere die Chance endlich mal wieder stressfrei einen 500- Rupienschein
zu wechseln. Hier wird man bestimmt auf umgerechnet 8 € rausgeben können.
Denkste.
Wieder Bremsen.
Kuh auf der Fahrbahn.
Die schrottreifen Lastwagen an der Seite lassen auch nix gutes erahnen.
Die Fahren hier genauso rücksichtslos wie bei uns.
Jetzt hätten wir fast einen Waran überfahren.

Zur Rückfahrt später Abends im dunkeln schreib ich lieber nix, nur soviel:
Ogottogottogott………….
Das lässt sich nur noch mit dem festen Glauben an die eigene Wiedergeburt erklären.
Aber ich habs mal wieder überlebt………..

 

Nach 3 Stunden Fahrt – 140km – sind dann endlich die Tempel der Chalukya-Ära erreicht –
und die sind noch einmal deutlich älter als die Ruinen von Hampi.
Vor fast 1500 Jahren wurden hier kunstvoll Figuren der indischen Mythologie in den farbigen
Stein gehauen – auch diese antiken Heiligtümer gehören zum UNESCO-Welterbe.
Ich bin trotzdem mal wieder fast der einzige Tourist.
Und gleich wieder vollauf mit fotografieren und fotografiert werden beschäftigt.
One Photo please.

Ein Großteil der Tempel wird übrigens nach wie vor zu ganz normalen Alltagszwecken missbraucht.
Als Kuhstall, Garage, Wohn- oder Lagerraum.
Insgesamt kommt mir dieser Ausflug in dir recht abgelegene und ländliche Region Karnatakas
fast wie eine Zeitreise vor.
Hier hat sich in den letzten tausend Jahren vermutlich kaum etwas verändert.
Die Bauern bestellen mit der Hacke ihre Felder,
manche haben auch schon zwei Ochsen vor dem Pflug,
die Frauen sieben gemeinschaftlich Getreide, waschen die Wäsche im Fluss
oder tragen zusammen mir den Kindern auf dem Kopf die Ernte oder Wasser nach Haus.
Viehzeugs jeglicher Art rennt kreuz und quer.
Stände nicht ab und an ein Moped oder sogar ein grell bunt geschmückter Traktor vor der Tür –
hier würde absolut nichts an moderne Zeiten erinnern.
Faszinierende Einblicke in eine völlig andere Welt.

 

Und dann sind da ja auch noch die Höhlentempel von Badami.
Uralte Heiligtümer in spektakulärer Umgebung an einem malerischen See.
Und ich hätte so gerne wenigsten einmal schönes Licht zum fotografieren.
Aber abgesehen von einem! Abend in Palolem ist es hier leider immer gleichmäßig diesig und grau……
nur von 11-3 kommt die Sonne durch. Und da hat der Fotograf bekanntlich frei.
Wozu stehe ich eigentlich jeden morgen zum Sonnenaufgang auf.
Es gab noch keinen Einzigen.
Yuck………..
Meine Speicherkarten sind trotzdem jetzt alle voll. Ob ich hier Nachschub bekomme?

Und schon sitze ich wieder im Zug nach Margao –
nur noch 7 Stunden bis zurück zu meiner schönen Hütte am Strand von Benaulim.
Also reichlich Zeit mal wieder etwas mehr zu schreiben.
Und ein paar Tage am Meer kann ich auch schon wieder sehr gut gebrauchen.

Mittlerweile sind aus den 7 Stunden mindestens 81/2 geworden und aus dem Nachmittag
am Strand damit ein weiterer Nachmittag mit Indian Railways.
Und jetzt bleibt der Zug schon wieder für eine Viertelstunde einfach irgendwo stehen.
Und schleicht im Schrittempo weiter.
Bleibt stehen.
………..
Reisen in Indien braucht vieeeeeeeeeel Geduld.
Ich hab meine grade fast aufgebraucht.
Hoffentlich fährt der Howrah Express! gleich auch noch mal weiter…….

In Goa:

 

…morgens halb 8 in Goa….

…..barfuss am flachen, unendlich langen Sandstrand macht die Joggingrunde gleich nochmal so viel Spaß………
natürlich mit anschließendem Sprung ins Meer….,,,bei den Fischern muss ich gleich nochmal mit der Kamera vorbei…..
……jetzt kriege ich auch noch nen Kaffee gebracht – was für ein Luxus.

Gleich gehts trotzdem noch einmal weiter mit der Bummelbahn Richtung Süden – zur schon letzten großen Etappe dieser Reise.
Die heilige Stadt Gokarna hat hoffentlich tolle Tempel und noch schönere Strände und ist – laut Fahrplan -nur gut 2 Bahnstunden entfernt…

Gokarna

 

Viel zu tun gibt es ja nicht gerade hier am Kudlee Beach.
Und genau das hab ich die letzten Tage hier auch gemacht.
Nicht viel.
Schwimmen, lesen, essen, schwimmen, mal zum Om-Beach wandern, schwimmen, lesen, essen,
mal nach Gokarna wandern, schwimmen, lesen, essen…..uswusf……
Mir ist Langweilig.
Für morgen hab ich mir also nochmal nen Wagen mit Fahrer bestellt, viermal Umsteigen in klapperige
busähnliche Altmetallkonstrukte bis nach Murudeshwar war mir dann doch zuviel.
Den größten Shiva der Welt möchte ich aber noch sehen.
Dann eben in der Luxusvariante.
Der größte Wasserfall Indiens ist auch noch in der Nähe und dann geht es auch schon gaaanz langsam
wieder mit der Bummelbahn Richtung Flughafen. Aber nicht ohne 1-2 tägigen Stop in Goa’s alter und neuer Hauptstadt – und zur Freakshow in Anjuna
schaue ich vielleicht auch noch mal vorbei.
Und jetzt geh ich schwimmen……

Murudeshwara

 

Murudeshwara. Murdeshwar?
Nachdem ich meinem Fahrer die wohlüberlegte Entscheidung lieber etwas später aber dafür lebendig anzukommen mitgeteilt hatte
wars dann doch noch ne recht entspannte Fahrt. Nur 2 Stunden für 80 km.
Ich hab ein Zimmer direkt am Meer. 500 Rupien. Mit AC, Gecko und Bollywood-TV. Knapp 7€.
La Cucaracha hab ich dagegen temporär ausquartiert. Etwas unsanft – das gibt bestimmt wieder schlechtes Karma.
Und ich hab fließend kalt Wasser. Ständig. Für die Eimerdusche.
Die Gestaltung der extravaganten Inneneinrichtung wurde ganz offensichtlich sehr stark inspiriert von mittelalterlichen Gefängniszellen.
Originalgetreu umgesetzt. Hier stört nichts den makellosen Gesamteindruck.
Aber ich kann durch meine Gitterstäbe das Meer sehen.
Ich denke mal jeder deutsche Häftling würde bei so einer Unterbringung sofort meutern und zu Recht seinen Anwalt verlangen.
Aber es ist ja nur für eine Nacht, jetzt kriege ich sogar frisches Bettzeugs, ein Handtuch und auch noch Seife gebracht.
Aus der Nachbarzelle klingt lautstark indische Musik.
Der Priester wohnt wohl anscheinend auch hier.
An die schlimmen Müllberge überall hat man sich ja fast schon gewöhnt. Trotzdem schade.
Insgesamt ein seltsamer Ort der nicht mal im Reiseführer steht – es könnte hier also mal wieder sehr interessant werden.
Direkt am Strand ist ein riesiger Tempel mit dem fast 40 m hohen mehrarmigen Shiva und dem wohl höchstem Gopuram der Welt.
Dazu eine Armada von Fischerbooten.
Und ich wette ich bin der einzige Nichtinder weit und breit………man merkt schon an der Warenauswahl wer hier im Ort die Zielgruppe ist.
Man versucht erst gar nicht mir etwas zu verkaufen. Auch mal ganz angenehm.
Mal sehen wer später im Tempel mehr fotografiert wird…..die Inder, Shiva oder ich…….

Old Goa

 

Unglaublich wie unverschämt und dreist sich die Inder ständig einfach vordrängeln. Und das nicht nur bei der Bahn. Immer und überall.
Seit fast zwei Stunden warte ich auf den Bummelzug – der einzige „Express“ von Murdeshwar fährt mitten in der Nacht –
und als der dann endlich mal einfänrt komme ich einfach nicht in den Zug.
Immer drängelt sich irgendjemand rotzfrech zwischen meine schon halb eingestiegene schwere Reisetasche, mich und die Tür – mal kleine Kinder, ganze Familien, Omas.
Hier ist kein durchkommen, aber ich hab ja Zeit.
Der Zug allerdings wohl nicht mehr und fährt jetzt einfach schon einmal los.
Einer Großfamilie fällt spontan noch ein dass sie jetzt doch noch hier aussteigen möchte und ich steh immer noch mit schwerem Gepäck auf dem Gleis.
Jetzt reicht es mir, der nächste Zug fährt erst morgen und ich möchte nicht nochmal in meine Zelle am Strand zurück.
Dann eben mir Gewalt in den bereits fahrenden Zug……ach, was hab ich das Bahnfahren vermisst.
Aber ich hab nen bequemen Sitzplatz mit – noch – reichlich Platz am Fenster ergattert, der Zug fährt ja sogar schon und am riesigen Shiva-Tempel kam nach dem komplett grauen Nachmittag am nächsten Morgen tatsächlich doch noch die Sonne raus. Hat sich die Mühe doch noch gelohnt.

Und jetzt wieder zurück nach Goa – diesmal aber nicht an den Strand – sondern zum Sightseeing in die Stadt.
Ich hätte es ahnen müssen. Die einzige Sehenswürdigkeit der Stadt ist natürlich:
……eingerüstet………..

Von wegen ich seh mir ganz in Ruhe – und vielleicht ganz alleine- Old Goa an. Hier sind zigtausende von Indern unterwegs – und zu sehen ist ausser Absperrungen, Sicherheitsschleusen wie am Flughafen, unglaublichen Menschenmassen und ner riesen Kirmes erst mal :
Nix.
Nada.
Niente.
Njet.
The exposition of the relics of St.Francis Xavier in Goa is a once-in-a-decade event. The relics of the saint who died in 1552, are believed to have survived through the centuries, and devotees from around the world flock to Goa to see the remains.

Na super – und das nach dem Mega-Stress um überhaupt her her zu kommen. Die Schlange vor dem ollen Heiligen ist mehrere Kilometer lang – da stell ich mich im Leben nicht an. Alle anderen historischen Gebäude sind grosszügig mit Absperrungen, Plastiküberdachungen oder der großzügigen Kirmes verdeckt – aber ich hab endlich mal wieder schönes Abendlicht.
Warum hab ich nicht nen anständigen Beruf gelernt wie alle anderen auch………

Candolim

 

Ich kann schlecht behaupten ich wusste ja nicht was ich tue.
Mir war klar wohin es geht.
Trotzdem ist der Kulturschock da.
Auweia. Candolim ist der Ort wo auch die Pauschaltouristen abgeladen werden.
Und das heißt natürlich nicht einer, nicht zehn, nicht hundert und auch nicht tausend.
Soweit kann und will ich nicht zählen. Vor lauter Liegen sieht man den Strand gar nicht mehr. Lohnt sich aber auch nicht.
Und AI steht für Asi inclusive?
Das hat hier jedenfalls mit Indien soviel zu tun wie der Ballermann oder Klloset del Mar mit spanischer Kultur.

pushkar_5


Und so geht mein Slalom jetzt zwischen leeren Bierflaschen im Sand, stark verbrannten adipösen Stringtangaträgern, den unsäglichen Jetskis und russischen Speisekarten.
Kopfschüttel. Morgens um 11 bin ich vermutlich der einzig noch nüchterne hier am Strand?
Abends spielt mein Zufallsgenerator zum Strandspaziergang Wasted Sunsets von Deep Purple.
Ja, hier gibts sowas.
Fotografieren mag ich trotzdem nicht.

Aber für die letzten drei Tage fahre ich nicht mehr zurück in den Süden, ich wollte ja in der nähe des Flughafens bleiben, ich hab ein schickes Zimmer im halbwegs ruhigen Teil des Strands und kann vom Bett und Balkon das Meer sehen. Bücher gibts auch und das Bier ist billig. Soll keiner sagen ich wäre nicht anpassungsfähig.
Prost.
Und der Abschied in drei Tagen fällt nicht so schwer…….